Der ProfiFoto Nachwuchsförderpreis wird 20 Jahre alt. Was 2006 zur photokina als Canon ProfiFoto Förderpreis begann, hat sich zu einem der kontinuierlichsten Förderformate für junge und neue fotografische Positionen in der deutschen Fotoszene entwickelt. Heute als ProfiFoto New Talent Award bekannt, ist er längst mehr als ein klassischer Nachwuchspreis: Er ist Seismograf, Werkstatt, Sprungbrett und Archiv fotografischer Entwicklungen.
- Foto: Tadashi Onishi
- Foto: Supratim Bhattacharjee
Zweimal jährlich bietet der von Canon und ProfiFoto in Kooperation mit Hahnemühle und WhiteWall ausgeschriebene New Talent Award Fotografen die Möglichkeit, Unterstützung für die Umsetzung ihrer „Bilder im Kopf“ zu erhalten. Die Auszeichnung richtet sich nicht nur an Absolventen fotografischer Studiengänge, sondern seit der konzeptionellen Weiterentwicklung auch an Quereinsteiger, freie Bildautoren und professionell arbeitende Creator aus artverwandten Bereichen. Entscheidend ist nicht der lineare Ausbildungsweg, sondern die fotografische Handschrift und die Tragfähigkeit der Idee.
- Asafe Ghalib
- Gregor Beltzig
- Blagovesta Semkova
- Carlos Leal
Register fotografischer Biografien
Die Bilanz nach zwei Jahrzehnten ist beachtlich. Seit der ersten Ausschreibung wurden nach der vorliegenden Gewinnerliste in 38 Wettbewerbsabschnitten 190 Projekte ausgezeichnet. Da einzelne Auszeichnungen an Duos gingen, stehen dahinter 193 einzelne Personen. Aus einem Förderpreis, der zunächst eng mit der klassischen Nachwuchsförderung verbunden war, ist damit ein umfangreiches Register fotografischer Biografien entstanden: dokumentarisch, konzeptionell, künstlerisch, journalistisch, inszeniert, persönlich und international.
Auffällig ist auch die nahezu ausgeglichene Geschlechterverteilung unter den ausgezeichneten Positionen. Bislang wurden 99 Gewinnerinnen und 94 Gewinner ausgezeichnet. Zählt man mehrfach ausgezeichnete Personen nur einmal, stehen 91 Frauen 89 Männern gegenüber. Der Preis hat damit über zwei Jahrzehnte hinweg nicht nur unterschiedliche fotografische Handschriften, sondern auch eine bemerkenswert ausgewogene Sichtbarkeit von Fotografen und Fotografinnen gefördert.
- Pia Hertel
- Curtis Hughes
Besonders deutlich wird die Wirkung des Preises an den Namen, die später auch in anderen Wettbewerben, Ausstellungen, Publikationen und Agenturzusammenhängen sichtbar wurden. Alice Smeets gewann nach ihrer Auszeichnung den UNICEF Photo of the Year Award. Andy Spyra wurde mit dem Leica Oskar Barnack Newcomer Award ausgezeichnet und entwickelte sich zu einer markanten Stimme des dokumentarischen Fotojournalismus. Julius Schrank erhielt einen World Press Photo Award. Insa Catherine Hagemann wurde gemeinsam mit Stefan Finger UNICEF Photo of the Year. Karolin Klüppel machte mit „Mädchenland“ international auf sich aufmerksam und gewann unter anderem den Felix Schoeller Photo Award. Robin Hinsch wurde bei den Sony World Photography Awards ausgezeichnet. Johanna-Maria Fritz gehört heute zu den international sichtbaren dokumentarischen Fotografinnen ihrer Generation. Toby Binder, Sandra Hoyn, Kai Löffelbein, Katerina Belkina, Supratim Bhattacharjee, Sasha Maslov und Javier Arcenillas stehen ebenfalls für die internationale Anschlussfähigkeit vieler Positionen, die im Umfeld des ProfiFoto Förderpreises sichtbar wurden.
- Foto: Schore Mehrdju
Entwicklungen begleiten
Auch die mehrfach ausgezeichneten Namen zeigen, dass der Preis nicht nur einzelne Projekte honoriert, sondern Entwicklungen begleitet. Gregor Beltzig wurde 2008 und 2017 ausgezeichnet, Lene Münch 2008 und 2017, Ansgar Dlugos 2012 und 2017, Insa Catherine Hagemann 2012 und 2014, Christian Werner 2013 und 2015, Karolin Klüppel 2014 und 2016, Mirene Schmitz 2017 und 2018, Franziska Ostermann 2018 und 2019, Arina Essipowitsch 2018 und 2020, Pia Hertel 2018 und 2020, Patrick Junker 2020 gleich in zwei Wettbewerbsabschnitten sowie Leila Hichri 2020 und 2021. Diese Wiederholungen sind kein Zufall, sondern Ausdruck eines Förderformats, das fotografische Projekte nicht als Momentaufnahme versteht, sondern als Teil einer fortlaufenden künstlerischen Entwicklung.
- Alejandro Carmona
Partnerschaften
Die Geschichte des Preises ist zugleich eine Geschichte verlässlicher Partnerschaft. Canon hat dem Förderpreis von Beginn an seinen Namen, seine Sichtbarkeit und eine langfristige Kontinuität gegeben. Gerade in einer Branche, in der sich Marketingbudgets, Kommunikationsstrategien und technische Zyklen ständig verändern, ist eine solch kntinuierliche Förderpartnerschaft nicht selbstverständlich. Sie zeigt, dass Nachwuchsförderung nicht durch punktuelle Aktionen entsteht, sondern durch Ausdauer. Canon hat mit der Unterstützung des Preises über zwei Jahrzehnte hinweg wesentlich dazu beigetragen, dass fotografische Talente nicht nur ausgezeichnet, sondern öffentlich wahrgenommen wurden.
- Pavlo Fyshar
- Natalia Kepesz
Dieses Engagement ist heute wichtiger denn je. Die Fotografie befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. KI, soziale Plattformen, neue Distributionsformen, ökonomischer Druck und veränderte Berufsbilder stellen die Frage nach fotografischer Autorenschaft neu. Gerade deshalb braucht es Formate, die junge und neue Positionen nicht in erster Linie nach Reichweite bewerten, sondern nach Haltung, Bildsprache, Konzept und Entwicklungspotenzial. Der ProfiFoto New Talent Award ist ein solches Format.
Mit Hahnemühle und WhiteWall sind weitere Partner eingebunden, die professionelle Fotografie stärken. Hahnemühle steht für die Bedeutung des Papiers, für Fine-Art-Qualität und die physische Präsenz des fotografischen Bildes. WhiteWall bringt seine Kompetenz als Produktionspartner für hochwertige Prints, Rahmungen und Ausstellungsqualität ein. Zusammen mit Canon und ProfiFoto entsteht damit ein Netzwerk, das Fotografie nicht nur als Bilddatei begreift, sondern als Werk, als Projekt, als Publikation und als Präsentation.
- Morgan Otagburuagu
- Sina Niemeyer
Zur besonderen Wirkung des Förderpreises gehört von Beginn an auch die öffentliche Präsentation der ausgezeichneten Arbeiten. Die Siegerprojekte wurden seit 2008 regelmäßig ausgestellt, zunächst auf der photokina in Köln, später auf Messen und Branchenevents wie der PHOTOPIA Hamburg und der Imaging World Nürnberg.
Eine besondere Rolle spielt dabei der Fotogipfel Oberstdorf, in dessen Rahmen die ausgewählten Arbeiten alljährlich einem breiten Fotografie-interessierten Publikum vorgestellt wurden. Dessen Kurator Christian Popkes ist zudem ständiges Mitglied der Jury und steht damit für die enge Verbindung von Förderung, Ausstellungspraxis und kuratorischer Einordnung. Zur Jury gehören neben Vertretern der Kooperationspartner auch wechselnde Fotografie-Experten, darunter Persönlichkeiten wie Peter Bitzer, ehemals Bildagentur laif, Nadine Dinter und viele weitere Stimmen aus Fotografie, Markt, Ausstellung und Vermittlung.
Mehr als ein Rückblick
Thomas Gerwers, der den Preis initiiert und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt hat: „Das Jubiläum ist mehr als ein Rückblick. Es markiert eine Wegmarke in einer Fördergeschichte, die fortgeschrieben wird. Wenn der ProfiFoto New Talent Award in den vergangenen 20 Jahren eines gezeigt hat, dann dies: Viele fotografische Karrieren beginnen nicht mit dem großen Durchbruch, sondern mit einer frühen, ernst gemeinten Bestätigung. Mit einem Preis, der ein Projekt sichtbar macht. Mit Partnern, die an das Potenzial einer Arbeit glauben, bevor der Markt es tut.“
Der Blick auf die Gewinnerliste macht deutlich, wie breit die Wirkung des Preises war und ist. Ausgezeichnet wurden dokumentarische Langzeitprojekte, künstlerische Serien, persönliche Bildsprachen, gesellschaftliche Recherchen, konzeptuelle Arbeiten und internationale Positionen. Seit der Internationalisierung des Wettbewerbs im Jahr 2022 hat sich der Radius noch einmal erweitert. Mit Preisträgern aus Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika zeigt der New Talent Award heute, dass Nachwuchsförderung nicht national gedacht werden kann, wenn Fotografie längst global zirkuliert.
- Katerina Belkina
- Olivia de Villaine
Für ProfiFoto ist der New Talent Award ein zentrales Element publizistischer Nachwuchsförderung. Er verbindet redaktionelle Sichtbarkeit mit kuratorischer Auswahl, professionelle Partner mit konkreter Projektförderung und fotografische Ideen mit einem Publikum, das über den Wettbewerb hinausreicht. Die aktuelle Runde 26/2 steht damit nicht nur für die Fortsetzung eines Wettbewerbs, sondern für die nächste Etappe einer Fördertradition, die 2006 begann und 2026 aktueller wirkt denn je.
„20 Jahre ProfiFoto Nachwuchsförderpreis bedeuten 20 Jahre Vertrauen in neue Bilder, neue Autoren und neue Wege in die professionelle Fotografie. Der Preis hat gezeigt, dass frühe Förderung Wirkung entfalten kann. Die Aufgabe der kommenden Jahre wird sein, diese Wirkung unter veränderten Bedingungen weiterzuführen: internationaler, offener, medienbewusster – und mit derselben Überzeugung, mit der alles begann“, so Thomas Gerwers.
Ausschreibung 26/2
Die aktuelle Ausschreibung zur Runde 26/2 zeigt, dass das Jubiläum kein Schlusspunkt ist, sondern ein Auftakt. Gesucht werden erneut fotografische Projekte mit Haltung, Handschrift und Entwicklungspotenzial. Bewerben können sich Fotografen, die professionell in der Fotografie oder in artverwandten Bereichen tätig sind – unabhängig von Alter, Ausbildung oder klassischem Karriereweg. Wer seine „Bilder im Kopf“ weiterdenken und sichtbar machen möchte, findet im ProfiFoto New Talent Award auch 2026 eine der profiliertesten Förderplattformen der Branche.
Einreichung und vollständige Informationen:































