Hasselblad und Capture One haben eine Partnerschaft angekündigt, die Hasselblad-Mittelformatdateien erstmals nativ in Capture One nutzbar macht. Fotografen können RAW-Dateien im Hasselblad-Format .3FR nun direkt importieren, organisieren und entwickeln.
Für viele Hasselblad-Anwender ist die Ankündigung mehr als ein weiteres Kompatibilitäts-Update. Die native Unterstützung der Hasselblad-Dateien gehörte seit Jahren zu den häufig geäußerten Wünschen von Capture-One-Nutzern. Bisher waren für die Arbeit mit Hasselblad-RAWs in Capture One Konvertierungen und Workarounds erforderlich, die den Workflow verkomplizierten und je nach Prozess Auswirkungen auf Farbwiedergabe und Bearbeitungsspielraum haben konnten. Dieser Zwischenschritt entfällt nun.
Mit der neuen Integration lassen sich Hasselblad-Dateien direkt in Capture One bearbeiten. Damit stehen die Werkzeuge zur Verfügung, die viele professionelle Fotografen aus ihrem Capture-One-Workflow kennen: Ebenen, Masken, Farbkorrektur, lokale Anpassungen und präzise Entwicklungseinstellungen. Gerade für Studio-, Porträt-, Mode-, Still-Life- und Fine-Art-Fotografen ist das relevant, weil Capture One in vielen professionellen Produktionsumgebungen als Standard für RAW-Entwicklung, Farbkontrolle und Shooting-Workflow gilt.
Die Unterstützung ist laut den Unternehmen nicht generisch angelegt, sondern speziell für die Hasselblad-Modelle entwickelt. Für jede unterstützte Kamera wurden eigene Farbprofile erstellt. Ziel ist es, die charakteristische Farbwiedergabe der Hasselblad-Systeme in Capture One zu erhalten und zugleich die gewohnte Capture-One-Interpretation von Farbe und Tonwerten nutzbar zu machen. Darüber hinaus gibt es spezifische Objektivprofile für Hasselblad XCD-Objektive, mit denen Verzeichnung, chromatische Aberration und Randlichtabfall korrigiert werden können.
Zum Start umfasst die Unterstützung drei aktuelle 100-Megapixel-Systeme: die Hasselblad X2D II 100C, die X2D 100C und das CFV 100C Digital Back. Alle drei Modelle arbeiten mit einem 100-Megapixel-Mittelformatsensor, 16-Bit-Farbe und Hasselblads Natural Color Solution. Besonders interessant ist die Einbindung des CFV 100C, weil das modulare Rückteil nicht nur mit der 907X, sondern auch mit klassischen Hasselblad-V-Systemkameras der 500- und 200-Serie sowie mit technischen Kameras und Fachkameras eingesetzt werden kann.
Für Hasselblad bedeutet die Kooperation eine Öffnung in Richtung eines der wichtigsten professionellen RAW-Workflows am Markt. Für Capture One ist es zugleich ein strategischer Schritt, das eigene Profil als Software für hochwertige Kamerasysteme und professionelle Produktionsumgebungen weiter zu stärken. Capture One unterstützt nach eigenen Angaben mehr als 550 Kameras und über 700 Objektivprofile. Mit Hasselblad kommt nun eine Marke hinzu, deren Mittelformatsysteme traditionell besonders stark mit kontrollierter Bildqualität, Farbwiedergabe und hochwertiger Studioproduktion verbunden sind.
Zunächst beschränkt sich die Integration allerdings auf die native RAW-Entwicklung. Die für viele Studiofotografen entscheidende Tethered-Capture-Unterstützung soll erst später im Jahr 2026 folgen. Dann sollen Hasselblad-Kameras direkt mit Capture One verbunden werden können, um Bilder während des Shootings live in die Software zu übertragen. Gerade in kommerziellen Produktionen, bei denen Fotografen, Kunden, Art-Direktion und Retusche gemeinsam am Set arbeiten, dürfte dieser Schritt entscheidend sein.
Verfügbar ist die native Hasselblad-Unterstützung ab Capture One 16.8.3 sowie in Capture One Mobile ab Version 3.3.4. Damit können sowohl bestehende Hasselblad-Archive als auch neue Aufnahmen direkt in Capture One entwickelt werden. Für Anwender, die bislang zwischen Hasselblads eigener Software und Capture One wechseln mussten, wird der Workflow damit deutlich einfacher.
Die Ankündigung ist auch deshalb bemerkenswert, weil sie zwei skandinavische Unternehmen zusammenführt, die auf unterschiedliche Weise für professionelle Bildqualität stehen: Hasselblad mit Hauptsitz in Göteborg und seiner langen Geschichte im Mittelformat, Capture One mit Sitz in Kopenhagen und seiner Rolle als RAW- und Tethering-Plattform für professionelle Fotografen und Studios. Für die Praxis zählt am Ende vor allem eines: Hasselblad-Fotografen erhalten mehr Freiheit bei der Wahl ihres Workflows.
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