Zehn fotografische Positionen zwischen Erinnerung, Identität und visueller Entdeckung: Mit der Ausstellung der Siegerarbeiten des ProfiFoto New Talent Award 25/26 präsentiert der Fotogipfel Oberstdorf im Kunsthaus Villa Jauss erneut eine Bestandsaufnahme aktueller fotografischer Nachwuchspositionen.
Die bis 5. Juli 2026 gezeigte Schau vereint die prämierten Arbeiten der beiden Wettbewerbsrunden 25/2 und 26/1 sowie die Best-of-Best-Gewinner des Jahres und macht sichtbar, wie vielfältig zeitgenössische Fotografie heute zwischen dokumentarischem Erzählen, konzeptioneller Bildarbeit und persönlicher Reflexion agiert.
Den Ausgangspunkt bilden die ausgezeichneten Projekte der Wettbewerbsrunde 25/2. Aus 164 eingereichten Projekten aus mehr als 30 Ländern wählte die Jury fünf Arbeiten aus, die auf sehr unterschiedliche Weise neue Perspektiven auf Wahrnehmung, Erinnerung und gesellschaftliche Wirklichkeit eröffnen.
Julia Wimmerlin (Schweiz/Ukraine) untersucht in ihrer Serie Nymphs 2.0 die Darstellung weiblicher Körper zwischen Mythos, Virtualität und Selbstermächtigung. Inspiriert von Kunstgeschichte, Symbolismus und digitaler Ästhetik entstehen poetische, teilweise abstrakte Bildwelten, die traditionelle Blickregime hinterfragen und neue Perspektiven auf feminines Sein eröffnen.
Die Arbeit Fading von Mischa Lluch (Spanien/USA) kreist um Vergänglichkeit, Erinnerung und den Druck permanenter Beschleunigung. Mit filmischem Gespür erschafft der Fotograf traumartige Bildräume, in denen Schönheit nicht im Perfekten, sondern im Verblassenden liegt. Die Serie wurde später zudem als Best-of-Best-Gewinner des Jahrgangs 25/26 ausgezeichnet.
Victor Feillant (Frankreich) verwandelt in Through the Window, Life alltägliche Szenen des Pariser Stadtlebens in poetische Beobachtungen. Durch Fensterscheiben fotografiert, geprägt von Reflexionen, Unschärfen und intensiven Farben, entstehen Bilder, die das Unspektakuläre feiern und den Blick auf urbane Wirklichkeit entschleunigen.
Eine besonders berührende Position zeigt Shin Ono (USA/Japan) mit Miki and Yoko. Über mehrere Jahrzehnte hinweg dokumentierte er das Leben seiner Eltern in eindringlichen Schwarzweißaufnahmen. Die Serie erzählt von familiärer Nähe, Krankheit, Verlust und Erinnerung und entwickelt gerade durch ihre Langfristigkeit eine außergewöhnliche emotionale Kraft.
Die zweite Wettbewerbsrunde 26/1 widmete sich Fragen nach Selbstbild, Transformation und subjektiver Wahrnehmung. Aus zahlreichen internationalen Einreichungen wurden erneut fünf Gewinnerprojekte ausgewählt.
In MOLTITUDE untersucht Laura Knipsael (Niederlande) die Wandelbarkeit von Identität im Spannungsfeld zwischen digitalem Selbstentwurf und realer Erscheinung. Fünf unterschiedliche visuelle „Looks“ fungieren als Avatare eines fluiden Selbst und werden zu Metaphern für Selbstinszenierung, Transformation und individuelle Freiheit.
Marie Sueur (Frankreich) erschafft mit Murmures de l’âme einen poetischen Bildraum zwischen Traum, Erinnerung und innerem Erleben. Licht, Unschärfe, Texturen und symbolische Elemente verbinden sich zu einer kontemplativen Bildsprache, die emotionale Zustände sichtbar macht und sich bewusst eindeutiger Lesbarkeit entzieht.
Mit STREET CARTOGRAPHY richtet Javier Arcenillas (Spanien) den Blick auf urbane Räume unter dem Einfluss von Hitze und gleißendem Licht. Seine Bilder reduzieren die Stadt auf grafische Strukturen, Kontraste und Leerräume und entwickeln daraus eine visuelle Kartografie zeitgenössischer Urbanität.
Die US-amerikanische Fotografin Liz Obert verbindet in American Bodegónes kunsthistorische Traditionen mit zeitgenössischer Konsumkritik. Inspiriert von niederländischen Vanitas-Stillleben und spanischen Bodegones entstehen opulente Bildtableaus, die Materialismus, Überfluss und kulturelle Entfremdung thematisieren. Die Serie wurde von der Jury mit dem zweiten Platz der Best-of-Best-Auswahl ausgezeichnet.
Den dritten Platz der Jahreswertung erhielt Katrina Dobbermane (Lettland/Frankreich) für Constructed.. Ihre Serie versteht den menschlichen Körper als lebendige Architektur und untersucht die Wechselwirkungen von Disziplin, Selbstoptimierung und ästhetischer Formgebung. Geometrie, Bewegung und Wiederholung verschmelzen zu einer präzisen visuellen Studie über den Menschen als Gestalter seiner eigenen Erscheinung.
Gemeinsam zeigen die ausgezeichneten Positionen, wie unterschiedlich fotografische Abenteuer heute verstanden werden können. Sie führen nicht nur an geografische Orte, sondern ebenso in innere Landschaften, in Erinnerungen, gesellschaftliche Fragestellungen und Fragen nach Identität und Selbstwahrnehmung. Damit fügen sie sich nahtlos in das diesjährige Leitmotiv des Fotogipfels Oberstdorf ein: „Abenteuer“.
Unterstützt wird der ProfiFoto New Talent Award von Canon. Die in Oberstdorf gezeigten Exponate wurden von WhiteWall in Museumsqualität auf FineArt-Papieren von Hahnemühle gedruckt.
Parallel zur Ausstellung läuft bereits die Ausschreibung für die nächste Wettbewerbsrunde ProfiFoto New Talent Award 26/2. Fotografen aus allen Bereichen der Fotografie können ihre Arbeiten noch bis zum 26. Juli 2026 einreichen. Gesucht werden erneut eigenständige fotografische Handschriften – von dokumentarischen Langzeitprojekten über konzeptionelle Serien bis hin zu experimentellen Arbeiten.





















