Mit ihrer siebten Ausgabe kehrt die THE PHAIR ab heute bis zum 24. Mai 2026 erneut in die Sala Fucine der OGR Torino zurück und positioniert sich damit weiter als eine der spannendsten europäischen Messen für zeitgenössische Bildkunst.
Die Veranstaltung versteht sich bewusst nicht als klassische Fotomesse, sondern als kuratierter Parcours zwischen Fotografie, Video, Installation und experimentellen visuellen Praktiken.

Kristian Schuller, Karmen 1, 2021, courtesy Jaeger Art
Gerade diese klare kuratorische Haltung unterscheidet THE PHAIR zunehmend von vielen stärker marktorientierten Kunstmessen. Statt isolierter Einzelstände setzt die Messe erneut auf ein einheitliches Ausstellungslayout, das die einzelnen Positionen miteinander in Dialog treten lässt und den gesamten Messeparcours als zusammenhängende visuelle Erzählung begreift.
Parallel dazu baut Turin seine Rolle als internationales Zentrum zeitgenössischer Bildkultur weiter aus. Unterstützt wird diese Entwicklung durch die enge Verbindung mit dem EXPOSED Torino Photo Festival, das sich in den vergangenen Jahren als wichtiger Impulsgeber für die internationale Fotoszene etabliert hat.
Für die visuelle Identität der diesjährigen Ausgabe wurde eine Fotografie von Nanda Lanfranco ausgewählt, die Giuseppe Penone im Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea zeigt. Das Motiv verweist programmatisch auf die Verbindung von Künstler, Institution und Ort und unterstreicht den kulturpolitischen Anspruch der Messe.

Giovanni Gastel, Beauty, Margarita, 2012, courtesy Photo & Contemporary
Das Galerieprogramm von THE PHAIR 2026 zeigt erneut eine starke Mischung aus etablierten internationalen Positionen und jüngeren experimentellen Ansätzen. Zu den teilnehmenden Galerien gehören unter anderem Jaeger Art, Galerie Ira Leonis, Podbielski Contemporary und WILLAS Contemporary sowie zahlreiche italienische Galerien aus Turin, Mailand, Bologna und Rom.
Die Messe versteht Fotografie dabei explizit nicht mehr nur als klassisches Einzelbildmedium, sondern als offenen Raum zwischen Kunstmarkt, Installation, Inszenierung und visueller Narration.

Anton Corbijn, Neneh Cherry, London 1992, courtesy Jaeger Art
Zu den Highlights zählt eine Präsentation von Arbeiten des verstorbenen Oliviero Toscani bei Colombo’s Gallery. Im Mittelpunkt stehen insbesondere seine zwischen 1971 und 1975 entstandenen Fotografien von Andy Warhol, die Warhol gleichermaßen als Pop-Ikone und private Figur zeigen.
Einen völlig anderen Ansatz verfolgt der norwegische Künstler Rune Guneriussen. Seine ephemeren Installationen aus Lampen, Stühlen oder Büchern entstehen temporär in Landschaften und existieren letztlich nur in Form der fotografischen Dokumentation. Die Arbeiten reflektieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur sowie die Eingriffe des Menschen in ökologische Systeme.
Besondere Aufmerksamkeit dürfte erneut die Berliner Galerie Jaeger Art erhalten. Gezeigt werden unter anderem Arbeiten von Anton Corbijn, dessen reduzierte Schwarzweißfotografie seit Jahrzehnten die Bildsprache von Musik- und Popkultur prägt. Ergänzt wird die Präsentation durch Arbeiten von Kristian Schuller sowie Kooperationen von Michelangelo di Battista mit Jake und Dinos Chapman.
Gerade diese Mischung aus Modefotografie, Kunstinszenierung, filmischer Narration und experimenteller Bildsprache verdeutlicht exemplarisch, wohin sich zeitgenössische Fotokunst derzeit bewegt: weg vom rein dokumentarischen Einzelbild, hin zu immersiven, hybriden und zunehmend installativen Bildwelten.
Auch ökologische Fragestellungen spielen bei THE PHAIR 2026 eine wichtige Rolle. So zeigt Nick Brandt bei WILLAS Contemporary Arbeiten aus allen vier Kapiteln seines Langzeitprojekts „The Day May Break“, das sich mit den globalen Folgen des Klimawandels auseinandersetzt.
Damit knüpft die Messe an einen zentralen Trend der internationalen Fotoszene an: die zunehmende Verbindung von dokumentarischer Fotografie, gesellschaftlicher Reflexion und künstlerischer Inszenierung.
THE PHAIR zeigt damit exemplarisch, wie stark sich die Grenzen zwischen Fotografie, zeitgenössischer Kunst und visueller Kultur derzeit verschieben — und warum Turin sich zunehmend als wichtiger europäischer Standort dieser Entwicklung etabliert.
Foto oben: Oliviero Toscani, Senza Titolo, 1971 – 1975, courtesy Colombo´s Gallery












