Die Stiftung F.C. Gundlach erweitert ihr fotografisches Archiv um eine bedeutende zeitgenössische Position: Der fotografische Vorlass des Berliner Fotografen Henrik Spohler wurde von der Stiftung übernommen.
Mit diesem Schritt baut die Stiftung insbesondere ihr Archivcluster „Von Reportage und Journalismus zur konzeptuellen Fotoserie“ weiter aus und stärkt ihren Fokus auf dokumentarisch-konzeptuelle Langzeitprojekte zur Gegenwartsgesellschaft.
Der Vorlass umfasst mehrere hundert Abzüge, Negative, Diapositive sowie digitale Bilddaten und ist bereits über die neue Website der Stiftung zugänglich.

Radioteleskope vor der chilenischen Chajnantor-Hochebene, aus der Serie „Hypothesis“, Chile 2017–2019. © Henrik Spohler
Seit Beginn der 2000er Jahre beschäftigt sich Henrik Spohler mit den Folgen der wirtschaftlichen Globalisierung und den technologischen Transformationen moderner Gesellschaften. In umfangreichen fotografischen Langzeitstudien untersucht er unter anderem technische Infrastrukturen des Informationszeitalters, automatisierte Industrieproduktion, industrielle Landwirtschaft, globale Warenströme, wissenschaftliche Forschung sowie die zunehmende Verschmelzung von Mensch und Maschine.
Besonders seine neueste Werkserie „Tomorrow Is the Question“ richtet den Blick auf aktuelle Entwicklungen in Industrie und Forschung. Im Zentrum stehen dabei hochautomatisierte Produktionsumgebungen, Labore und humanoide Roboter — Bildwelten, in denen sich die Grenzen zwischen menschlicher Arbeit, künstlicher Intelligenz und maschineller Autonomie zunehmend auflösen.
Formal zeichnet sich Spohlers Arbeit durch eine präzise, oft distanzierte Bildsprache aus, die dokumentarische Genauigkeit mit konzeptueller Strenge verbindet. Seine großformatigen Fotografien wirken dabei häufig zugleich analytisch und irritierend: menschenleere Produktionsstätten, sterile Forschungsräume oder gigantische technische Anlagen erscheinen als Sinnbilder einer hochgradig technisierten Gegenwart.
Auch Serien wie „In Between“, „Sleepers“, „The Third Day“ oder „Hypothesis“ beschäftigen sich mit den unsichtbaren Strukturen globalisierter Systeme und deren Auswirkungen auf Umwelt, Arbeitswelt und gesellschaftliche Wahrnehmung.
Henrik Spohler (*1965) studierte an der Folkwang Schule beziehungsweise Hochschule in Essen und arbeitet seit 1992 als freischaffender Fotograf. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt, mehrfach ausgezeichnet und in zahlreichen Monografien veröffentlicht. Seit 2009 lehrt er als Professor für Fotografie an der HTW Berlin im Studiengang Kommunikationsdesign.
Die Übernahme seines Vorlasses durch die Stiftung F.C. Gundlach verweist zugleich auf einen größeren Trend innerhalb fotografischer Archive und Sammlungen: das wachsende Interesse an langfristig angelegten dokumentarisch-konzeptuellen Werkkomplexen, die gesellschaftliche, technologische und ökologische Entwicklungen fotografisch reflektieren.
Die Stiftung F.C. Gundlach wurde im Jahr 2000 von dem Fotografen und Sammler F.C. Gundlach gegründet und widmet sich der Erforschung, Archivierung und Vermittlung fotografischer Kultur. Neben dem Werk des Stifters betreut die Stiftung heute zahlreiche Nachlässe, Vorlässe und fotografische Konvolute.
Foto oben: Ohne Titel, aus der Serie „Tomorrow Is the Question“, 2023–2025. © Henrik Spohler











