Mit dem Deutsche Börse Photography Foundation Prize zählt die Photographers’ Gallery in London seit Jahrzehnten zu den wichtigsten internationalen Plattformen für zeitgenössische Fotografie. Nun wurde Rene Matić als Gewinner*in des mit 30.000 Pfund dotierten Preises 2026 ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand am 14. Mai in der Photographers’ Gallery in London statt. Neben Matić waren Jane Evelyn Atwood, Weronika Gęsicka und Amak Mahmoodian für den Preis nominiert. Die Finalisten erhalten jeweils 5.000 Pfund Preisgeld.

Rene Matić
„Jabari Gooden memorial flowers, Peckham, 2022“
© Rene Matić
Courtesy of the Artist and Arcadia Missa, London
Ausgezeichnet wurde Matić für die Ausstellung „AS OPPOSED TO THE TRUTH“, die zwischen November 2024 und Februar 2025 in der CCA Berlin gezeigt wurde. Das Projekt verbindet Fotografie, Installation, Film und Soundarbeiten zu einem vielschichtigen Porträt von Identität, Zugehörigkeit, Subkultur, Klasse und Familie.
Auffällig ist dabei vor allem die intime, tagebuchartige Bildsprache. Matić arbeitet mit unmittelbaren Momentaufnahmen, persönlichen Fragmenten und gesammelten Objekten, die sich zu einer subjektiven Form dokumentarischer Erzählung verdichten. Die Fotografien wirken dabei gleichzeitig roh und poetisch – bewusst nah an Alltag, Gemeinschaft und Verletzlichkeit.

Jane Evelyn Atwood
„Prisoner in the prison workshop, Centre Pénitentiaire Les Baumettes, Marseille, France, 1991“
© Jane Evelyn Atwood
Inhaltlich kreist die Arbeit um Fragen von Zugehörigkeit und sozialer Identität in einem gesellschaftlichen Klima zunehmender Polarisierung. Matić beschreibt die eigene künstlerische Praxis als Beschäftigung mit „rude(ness)“ – einer Haltung zwischen Widerstand, Verletzlichkeit und Selbstbehauptung. Zwischenmenschliche Beziehungen werden dabei zu Orten von Solidarität und Überleben.
Die Jury würdigte insbesondere die emotionale Direktheit und gesellschaftliche Relevanz der Arbeit. Shoair Mavlian, Direktorin der Photographers’ Gallery, sprach von Fotografien, die Gemeinschaft und Zugehörigkeit mit großer Offenheit und Ehrlichkeit sichtbar machen und gleichzeitig einen Zugang zur Geschichte des gegenwärtigen Großbritanniens eröffnen.

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Auch Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation, betonte die besondere Sensibilität der Arbeit. Matićs Fotografien würden Momente des Alltags mit großer Intimität erfassen und dabei Wahlfamilie, Gemeinschaft und menschliche Nähe feiern. Gleichzeitig erweitere das Projekt die Vorstellung davon, was Fotografie heute sein könne.
Interessant ist dabei, wie selbstverständlich sich Matić zwischen unterschiedlichen Medien bewegt. Die Arbeiten entstehen an der Schnittstelle von dokumentarischer Fotografie, Installation, Sound und Skulptur. Damit steht Matić exemplarisch für eine Generation zeitgenössischer Künstler*innen, die Fotografie längst nicht mehr als isoliertes Medium begreift, sondern als Teil komplexer visueller und räumlicher Erzählformen.
Die Ausstellung mit allen vier nominierten Positionen ist noch bis zum 7. Juni 2026 in der Photographers’ Gallery in London zu sehen und wird anschließend vom 3. September 2026 bis 17. Januar 2027 in The Cube in Eschborn präsentiert.
Der Deutsche Börse Photography Foundation Prize gilt seit seiner Einführung 1996 als einer der bedeutendsten internationalen Preise für zeitgenössische Fotografie. Frühere Preisträger*innen waren unter anderem Deana Lawson, Trevor Paglen, Mohamed Bourouissa, Susan Meiselas oder Richard Billingham.Deutsche Börse Photography Foundation
Foto oben:
Weronika Gęsicka
„Bessa Vugo“
from the “Encyclopaedia” series, 2023–2025
Courtesy of the artist and Jednostka Gallery












