C/O Berlin hat die Gewinner:innen des C/O Berlin Talent Award 2026 bekannt gegeben. Unter dem diesjährigen Leitthema „Body Politics“ werden fotografische und theoretische Positionen ausgezeichnet, die sich mit Fragen von Macht, Kontrolle, Identität und körperlicher Selbstbestimmung auseinandersetzen.

Zero Feathers, 2025, Colombia, Nicolás_Bernal
In der Kategorie Artist überzeugte der iranische Fotograf Amin Yousefi (*1996) mit seinem Projekt Defensive Readiness (2025). Die Arbeit untersucht, wie politische und gesellschaftliche Machtstrukturen über den Körper vermittelt und verinnerlicht werden. Durch die Verbindung von Fotografie, schematischen Zeichnungen und kartografierten Gesten analysiert Yousefi die visuellen Sprachen staatlicher Kontrolle und deren Einfluss auf individuelle Verhaltensmuster. Die Jury würdigte insbesondere die konzeptionelle Präzision, mit der der Künstler die langfristigen Auswirkungen institutioneller Macht sichtbar macht.
Die Auszeichnung in der Kategorie Writer geht an die deutsche Autorin und Kunstkritikerin Maxi Wallenhorst (*1993). Sie wird einen Essay verfassen, der Yousefis Projekt theoretisch kontextualisiert und dessen Fragestellungen im Spannungsfeld von Körperpolitik, Geschlechterbildern und Machtverhältnissen verortet. Gemeinsam mit einem Künstlerinterview erscheint der Text in einer monografischen Publikation zur ersten Einzelausstellung von Amin Yousefi bei C/O Berlin.
- Hannah I, from the series UNCOOL, 2026, Debora Brune
- Kjell II, from the series UNCOOL, 2026, Debora Brune
Die Ausstellung von Defensive Readiness wird vom 13. Februar bis 2. Juni 2027 im Amerika Haus von C/O Berlin zu sehen sein.
Der diesjährige Wettbewerb stieß auf große Resonanz: Mehr als 500 Nachwuchskünstler:innen aus 67 Ländern reichten Arbeiten ein. Die von einer international besetzten Jury ausgewählte Shortlist verdeutlicht die thematische Bandbreite des Programms.
Der kolumbianische Künstler Nicolás Bernal verarbeitet in Zero Feathers persönliche Erfahrungen von Ausgrenzung und Gewalt als indigene queere Person. Durch fotografische Eingriffe in sein Familienarchiv setzt er sich mit kolonialen, religiösen und militärischen Machtstrukturen auseinander und formuliert neue Bilder von Selbstbestimmung und Heilung.
Mit UNCOOL richtet die deutsche Fotografin Debora Brune den Blick auf Menschen mit sichtbaren und unsichtbaren Beeinträchtigungen. Ausgehend von ihrer eigenen Erfahrung als Rollstuhlnutzerin hinterfragt sie etablierte Schönheits- und Körpernormen und entwickelt selbstbewusste Gegenbilder zu den stereotypen Darstellungen in Werbung und sozialen Medien.
Der in Nepal geborene und in Italien aufgewachsene Fotograf Bimal Fabbri untersucht in seinem Langzeitprojekt Outsiders Within Fragen von Herkunft, Zugehörigkeit und transnationaler Identität. Seine poetischen Fotografien reflektieren die Erfahrungen einer internationalen Adoption und die Suche nach einem Platz zwischen verschiedenen kulturellen Welten.
Die US-amerikanische Fotografin Ashley McLean schließlich widmet sich in Seeking you in other bodies… den Themen Schwarze Männlichkeit, Fürsorge und Verletzlichkeit. Ihre sensiblen Porträts entwerfen ein Gegenbild zu tradierten Klischees und eröffnen neue Perspektiven auf Intimität und emotionale Präsenz.
Mit dem Schwerpunkt „Body Politics“ setzt C/O Berlin seine Auseinandersetzung mit den politischen Dimensionen fotografischer Bilder fort. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie zeitgenössische Fotografie gesellschaftliche Machtverhältnisse reflektiert, Identitätsfragen verhandelt und neue Formen visueller Selbstermächtigung entwickelt. Dabei wird der Körper nicht nur als Motiv verstanden, sondern als zentraler Ort sozialer, politischer und kultureller Aushandlungsprozesse.
Foto oben: Zero Feathers, 2025, Colombia © Nicolás Bernal
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