Die Deutsche Börse Photography Foundation baut ihr Engagement im Bereich der zeitgenössischen Fotografie weiter aus und setzt mit einem neuen Förderformat einen gezielten Impuls für die kuratorische Praxis. Erstmals wurde das international ausgeschriebene Curatorial Fellowship vergeben – und geht an die in Großbritannien lebende Kuratorin und Wissenschaftlerin Raquel Villar-Pérez.
Das mit 10.000 Euro dotierte Fellowship ist auf zwei Jahre angelegt und verfolgt einen forschungsbasierten Ansatz: Im Zentrum steht die Entwicklung einer Ausstellung auf Grundlage der Art Collection Deutsche Börse, die 2028 realisiert werden soll. Parallel dazu wird Villar-Pérez Vorschläge für neue Ankäufe erarbeiten, um die Sammlung gezielt zu erweitern und neue künstlerische Perspektiven einzubringen.
Mit der Einführung des Fellowship reagiert die Stiftung auf die wachsende Bedeutung kuratorischer Arbeit im Kontext zeitgenössischer Fotografie. Ziel ist es nicht nur, Ausstellungen zu realisieren, sondern auch Diskurse zu initiieren und bestehende Narrative innerhalb der Sammlung kritisch zu hinterfragen. Der kuratorische Prozess wird dabei als eigenständige kreative und forschende Praxis verstanden.
Raquel Villar-Pérez bringt hierfür eine klar positionierte inhaltliche Perspektive mit. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Fotografie, Migration und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Im Fokus stehen Themen wie transnationaler Feminismus, soziale und ökologische Gerechtigkeit sowie dekoloniale Ansätze in der Bildproduktion. Aktuell promoviert sie am Edinburgh College of Art zu lateinamerikanischen Künstlerinnen in Großbritannien und untersucht dabei die Verbindung von Migrationserfahrungen und erweiterten fotografischen Praktiken.
Im Rahmen des Fellowship wird sich Villar-Pérez intensiv mit der Sammlung der Stiftung auseinandersetzen, thematische Schwerpunkte identifizieren und daraus ein Ausstellungskonzept entwickeln. Die geplante Präsentation soll im Frühjahr 2028 in Eschborn bei Frankfurt eröffnet und anschließend in einer weiteren europäischen Institution gezeigt werden.
Für die Stiftung markiert das Fellowship einen strategischen Schritt: Kuratorische Praxis wird stärker in den Mittelpunkt der Förderarbeit gerückt. Gleichzeitig soll der internationale Austausch intensiviert und die Vielfalt innerhalb der Sammlung gezielt erweitert werden. Damit positioniert sich die Deutsche Börse Photography Foundation nicht nur als Sammlerin, sondern zunehmend auch als aktiver Akteur im Diskurs um zeitgenössische Fotografie.
Mit Raquel Villar-Pérez hat die Stiftung eine Kuratorin gewonnen, die sowohl wissenschaftlich als auch praktisch arbeitet – und deren Ansatz verspricht, neue Perspektiven auf bestehende Bestände zu eröffnen.
Bild oben: Raquel Villar-Pérez (Foto: Jingjing Luo)
deutscheboersephotographyfoundation.org












