Im Rahmen der ProfiFoto Pop-up Ausstellung „WORLDS IN VIEW“ in Arles präsentiert Thomas Gerwers 40 seiner eigenen fotografischen Arbeiten auf einem APHEUM Panel. Damit wird die internationale Gruppenausstellung in der Galerie Les Murs Blancs um eine experimentelle Form fotografischer Präsentation erweitert, die zwischen klassischem Fine-Art-Print und digitalem Display angesiedelt ist.
Der Einsatz des APHEUM Panels versteht sich dabei nicht als Ersatz für den Print, sondern als bewusst gesetzter medialer Kommentar. Während „WORLDS IN VIEW“ mit von WhiteWall produzierten Fine-Art-Prints in Galeriequalität arbeitet, öffnet das E-Ink-Panel eine zusätzliche Ebene: Fotografie erscheint hier als dauerhaft sichtbares, stromsparendes, nicht leuchtendes Bildobjekt, das zugleich digitale Flexibilität ermöglicht.
APHEUM nutzt E-Ink-Technologie, wie sie vor allem von E-Book-Readern bekannt ist. Anders als klassische Monitore erzeugt ein E-Ink-Display kein eigenes Licht. Das Bild entsteht durch reflektiertes Umgebungslicht und verhält sich dadurch eher wie Papier als wie ein Bildschirm. Gerade für Schwarzweißfotografie ist dieser Unterschied entscheidend, weil die Darstellung nicht die visuelle Dominanz eines leuchtenden Displays entwickelt, sondern sich zurückhaltender in den Raum einfügt.
Für Gerwers, dessen eigene fotografische Arbeiten sich mit Körper, Blick, Nähe, Verletzlichkeit und Präsenz auseinandersetzen, eröffnet diese Form der Präsentation einen besonderen Spannungsraum. Die Bilder treten nicht als flüchtige Bildschirmansicht auf, sondern als stille, materielle Erscheinung. Zugleich bleibt das Motiv wechselbar. Das Panel kann einzelne Arbeiten, Sequenzen oder kuratierte Bildfolgen zeigen, ohne dass dafür jedes Motiv neu produziert, gerahmt oder transportiert werden muss.
Gerade in einer Ausstellungssituation wie Arles ist diese hybride Form interessant. Die ProfiFoto Pop-up Galerie versammelt internationale Positionen, die als physische Werke im Raum präsent sind. Das APHEUM Panel ergänzt diese Präsenz um eine zeitbasierte Dimension: Es kann Arbeiten zeigen, die nicht als Einzelprint an der Wand hängen, sondern in einer kuratierten Abfolge sichtbar werden. Damit nähert sich die Präsentation eher einer kleinen, stillen Ausstellung innerhalb der Ausstellung als einem klassischen Display.
Technisch setzt APHEUM auf eine für fotografische Anwendungen optimierte Schwarzweißdarstellung. Die vom Hersteller als „Deep Grayscale“ bezeichnete Bildverarbeitung soll deutlich feinere Tonwertabstufungen ermöglichen als herkömmliche E-Ink-Systeme. Im ProfiFoto Hands-on-Test zeigte sich, dass das Panel aus normalem Betrachtungsabstand erstaunlich nah an die Wirkung eines gerahmten Schwarzweißprints heranreicht. Der klassische Fine-Art-Print bleibt in Materialität, Tonwerttiefe und Papiercharakter die Referenz, doch das APHEUM Panel wirkt deutlich weniger wie ein elektronisches Gerät als vielmehr wie ein eigenständiges fotografisches Objekt.
Hinzu kommt der geringe Energiebedarf. Strom wird nur beim Bildwechsel benötigt; ist ein Motiv einmal übertragen, bleibt es dauerhaft sichtbar. Kabel oder Netzteile sind nicht erforderlich. Für temporäre Ausstellungen, Pop-up-Formate, Galerien oder Sammlungen kann das ein praktischer Vorteil sein, weil sich fotografische Inhalte flexibel und ohne sichtbare technische Infrastruktur in den Raum integrieren lassen.
In Arles wird das APHEUM Panel damit auch zu einem Testfeld für neue Formen fotografischer Distribution und Präsentation. Es geht nicht um die Entscheidung zwischen Print und Display, sondern um die Frage, wie fotografische Bilder künftig in Räumen, Sammlungen und kuratierten Kontexten erscheinen können. Der klassische Print behauptet seine Qualität als physisches Original. Das E-Ink-Panel dagegen zeigt, wie digitale Bildfolgen eine printnahe Anmutung erhalten können, ohne in die Ästhetik leuchtender Screens zurückzufallen.
Für „WORLDS IN VIEW“ fügt sich diese Präsentationsform in das kuratorische Thema der Ausstellung ein. Die Schau bringt unterschiedliche fotografische Perspektiven aus Europa, Asien, Australien, Nord- und Südamerika sowie dem Nahen Osten zusammen. Das APHEUM Panel erweitert diesen Weltblick um eine technologische Perspektive: Wie verändern sich fotografische Autorschaft, Bildzirkulation und Werkpräsentation, wenn Bilder digital distribuiert, aber nicht bildschirmhaft konsumiert werden?
Die Präsentation eigener Arbeiten von Thomas Gerwers auf dem APHEUM Panel ist damit zugleich persönliche Werkpräsentation und mediale Erprobung. Sie zeigt Fotografie als Bild, als Objekt und als System: nicht nur an der Wand, sondern auch als kuratierbare, geschützte und veränderbare Sequenz. In Arles, wo Fotografie traditionell als Ausstellung, Buch, Print, Portfolio und Begegnung verhandelt wird, erhält diese Frage eine besondere Aktualität.
„WORLDS IN VIEW“
ProfiFoto Pop-up Galerie in Arles
6. bis 12. Juli 2026
Galerie Les Murs Blancs
Arles
ProfiFoto Aktion
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