APHEUM veröffentlicht gemeinsam mit der Alfred Ehrhardt Stiftung 31 Schwarzweißfotografien Alfred Ehrhardts aus den Jahren 1938 bis 1941 als digitale Kollektion. Die Werkgruppe „Nautilus – Muscheln und Schnecken“ wird zugleich dauerhaft auf einem APHEUM Frame M in den Räumen der Stiftung in Berlin gezeigt. Damit trifft eine historische fotografische Position auf eine Präsentationsform, die bewusst zwischen Fine-Art-Print und digitalem Display angesiedelt ist.
Alfred Ehrhardt gehört zu den prägenden Fotografen der Neuen Sachlichkeit. Sein Aufenthalt am Dessauer Bauhaus 1928/29 brachte ihn unter anderem mit Josef Albers, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Oskar Schlemmer in Berührung. In seinen späteren fotografischen Arbeiten übertrug er dieses Formverständnis auf Strukturen der Natur.
Die Aufnahmen von Muscheln und Schnecken entstanden ab 1938 und beschäftigten Ehrhardt über Jahrzehnte. Bereits 1941 veröffentlichte er die Werkgruppe im Fotobuch „Muscheln und Schnecken“, 1968 griff er sie für „Geprägte Form“ erneut auf. Vor tiefschwarzem Hintergrund und mit gezielt gesetztem Licht werden die Kalkgehäuse zu Studien über Rhythmus, Material und Struktur. Riffelungen, Spiralen, Stacheln und schimmernde Oberflächen treten dabei weit stärker als formale Gestaltungselemente hervor denn als naturkundliche Objekte.
Historische Fotografie auf digitalem Träger
Interessant ist vor allem die Form der Präsentation. Die 31 Arbeiten werden nicht als neu produzierte Prints angeboten, sondern über das APHEUM-System digital verwaltet und auf dem Frame M dargestellt. Die Motive können gewechselt werden, ohne dass neue Abzüge gedruckt, gerahmt oder ausgetauscht werden müssen.
APHEUM setzt dabei auf eine reflektierende, nicht aktiv leuchtende Bildfläche. Der 42 × 35 Zentimeter große Frame soll dadurch eher wie ein gerahmter Print als wie ein konventioneller Bildschirm wirken. Für die Schwarzweißwiedergabe verwendet das Unternehmen eine als „Deep Grayscale“ bezeichnete Darstellung, die fein abgestufte Tonwerte und Oberflächenstrukturen sichtbar machen soll.
Damit berührt das Projekt eine zunehmend relevante Frage der fotografischen Präsentation: Muss eine historische Fotografie zwingend als physischer Abzug erfahrbar sein, oder kann eine digitale Reproduktion im Ausstellungsraum eine eigene, legitime Form der Vermittlung darstellen?
APHEUM versteht sein System ausdrücklich nicht als Ersatz für das Original, sondern als Möglichkeit, kuratierte Bestände dauerhaft sichtbar und zugleich flexibel zugänglich zu machen. Zusätzlich zu den Bildern lassen sich Kontextinformationen zu den einzelnen Arbeiten abrufen.
Dauerhaft in der Alfred Ehrhardt Stiftung
Ein APHEUM Frame M mit der vollständigen Kollektion wird dauerhaft in der Alfred Ehrhardt Stiftung in der Auguststraße 75 in Berlin präsentiert. Dort lässt sich unmittelbar beurteilen, wie sich die digitale Darstellung historischer Schwarzweißfotografie gegenüber einem klassischen Print verhält.
Für Dr. Christiane Stahl, Direktorin der Alfred Ehrhardt Stiftung, nimmt die Werkgruppe innerhalb von Ehrhardts Schaffen eine besondere Stellung ein. In ihr verbinden sich sein vom Bauhaus geprägtes Formverständnis, sein Interesse an Material und Struktur sowie seine naturphilosophische Sicht. Die Zusammenführung der 31 Arbeiten als Kollektion eröffnet nach ihrer Einschätzung einen zusätzlichen Zugang zu dieser Werkgruppe.
Zwischen Archiv und digitaler Edition
Das Projekt ist damit mehr als eine technische Demonstration eines E-Paper-Rahmens. Es zeigt auch, wie fotografische Archive und Stiftungen künftig mit digital verfügbaren Werkgruppen umgehen könnten.
Gerade bei umfangreichen Beständen besteht seit Langem das Problem, dass nur ein kleiner Teil physisch ausgestellt werden kann. Digitale Präsentationssysteme versprechen hier neue Möglichkeiten – vorausgesetzt, Reproduktion, Farb- beziehungsweise Tonwertwiedergabe, Kontextualisierung und Rechteverwaltung bleiben nachvollziehbar.
APHEUM positioniert seine Plattform entsprechend nicht nur für private Nutzer, sondern auch für Kultur- und Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Hotels und öffentliche Räume. Inhalte können zentral verwaltet, terminiert und regelmäßig erneuert werden.
Die Frage, die „Nautilus – Muscheln und Schnecken“ damit aufwirft, reicht allerdings über die Technik hinaus: Wenn historische Fotografie digital reproduziert wird, verändert sich nicht nur ihr Träger, sondern auch die Art, wie wir Original, Edition und Ausstellung voneinander unterscheiden.
Gerade deshalb ist die dauerhafte Präsentation in der Alfred Ehrhardt Stiftung interessant. Dort lässt sich nicht nur Ehrhardts fotografisches Formverständnis betrachten, sondern zugleich eine mögliche neue Form der Vermittlung fotografischer Sammlungen.
Die Kollektion „Nautilus – Muscheln und Schnecken“ ist seit dem 10. September 2026 für den APHEUM Frame M verfügbar.
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Foto oben: Alfred Ehrhardt, 1924-1929.


















