Mit der Luna Pro erweitert Insta360 sein Angebot um eine kompakte Gimbal-Kamera, die gemeinsam mit Leica entwickelt wurde. Ein 1-Zoll-Sensor, Leica Summicron Objektiv, 8K Dolby Vision, 10-Bit I-Log, ACES-Unterstützung und integrierter Timecode sollen die Kamera über das klassische Vlogging hinaus auch für anspruchsvollere Produktionen interessant machen. Gleichzeitig zielt Insta360 mit nativem 4K-Hochkantvideo, KI-Tracking und automatisierter Bearbeitung sehr deutlich auf Social-Media-Workflows.
Insta360 ist vor allem mit 360-Grad- und Actionkameras groß geworden. Mit der Luna Pro verschiebt das Unternehmen den Schwerpunkt nun stärker in Richtung klassischer kompakter Videokamera: Kamera und dreiachsiger Gimbal bilden eine Einheit, aufgenommen wird mit einem 1-Zoll-Sensor, davor sitzt ein gemeinsam mit Leica entwickeltes Summicron Objektiv.
Damit adressiert Insta360 einen Markt, in dem inzwischen nicht mehr allein möglichst kleine Abmessungen zählen. Gefragt ist vielmehr eine Kamera, die spontan eingesetzt werden kann, gleichzeitig aber genügend Reserven für professionelle Nachbearbeitung bietet.
8K und echtes Hochkantvideo
Die Luna Pro zeichnet 8K-Video mit Dolby Vision auf. Für Zeitlupen stehen 4K mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde sowie Full HD mit maximal 240 fps zur Verfügung.
Besonders stark betont Insta360 die Hochkantproduktion. Die Kamera nimmt 4K/30p Vertical Video nativ auf und nutzt dafür 6K-Oversampling. Durch Drehen des Touchscreens wird direkt zwischen horizontalem und vertikalem Aufnahmeformat gewechselt.
Das ist mehr als eine Komfortfunktion für TikTok und Reels. Wer regelmäßig Inhalte gleichzeitig für klassische und vertikale Plattformen produzieren muss, erspart sich dadurch zumindest teilweise das nachträgliche Beschneiden horizontal aufgezeichneter Aufnahmen.
Zusätzlich bietet die Kamera einen bis zu zweifachen verlustfreien Zoom sowie einen vierfachen „HighRes Zoom“, bei dem KI-basierte Verarbeitung die Detaildarstellung unterstützen soll.
Zwei Chips für Bild und KI
Im Inneren arbeitet eine Dual-AI-Chip-Architektur. Ein eigener Bildprozessor wird mit einem in 4-nm-Technik gefertigten Hauptprozessor kombiniert. Die zusätzliche Rechenleistung wird nicht nur für die Bildverarbeitung, sondern insbesondere für die intelligenten Aufnahmefunktionen genutzt.
Dazu zählt Deep Track, das bewegte Personen oder Objekte automatisch verfolgen und im Bild halten soll. Rapid Focus übernimmt parallel die Fokussierung.
In Kombination mit der mechanischen Stabilisierung lässt sich die Luna Pro damit weitgehend allein betreiben. Genau darauf ist das Konzept zugeschnitten: Creator sollen sich vor die Kamera stellen können, ohne einen zweiten Operator für Schwenk, Bildausschnitt und Fokus zu benötigen.
Abnehmbarer OLED-Monitor
Ungewöhnlich ist der abnehmbare 2-Zoll-OLED-Touchscreen. Er erleichtert die Bildkontrolle aus Positionen, bei denen ein fest verbautes Display schwer einsehbar wäre.
Weitere Bedienelemente wie „Slide-to-start“ und „Twist-to-shoot“ sollen die Zeit zwischen Einschalten und Aufnahme verkürzen. Die Kamera verfügt zudem über 47 GB internen Speicher und soll mit einer Akkuladung bis zu vier Stunden durchhalten.
Für den Ton kann die Luna Pro direkt mit den drahtlosen Mikrofonlösungen der Insta360 Mic Serie kommunizieren.
Leica auch beim Bildlook
Die Zusammenarbeit mit Leica beschränkt sich nicht auf den Namen des Objektivs. In der Kamera stehen die Farbprofile Leica Natural, Leica Vivid und Leica Chrome zur Verfügung. Ergänzt werden sie durch verschiedene cineastische Filter.
Wer den Look lieber in der Postproduktion entwickelt, kann dagegen in 10-Bit I-Log aufnehmen. Damit sollen mehr Farbinformationen sowie zusätzliche Reserven in Lichtern und Schatten erhalten bleiben. Hinzu kommt die Unterstützung von ACES-Workflows für ein standardisiertes professionelles Color Grading.
Das ist eine interessante Kombination: Insta360 bietet einerseits fertige Looks für möglichst schnelle Veröffentlichung und andererseits ein Log-Format für Anwender, die das Material bewusst erst später graden möchten.
Timecode statt Creator-Spielzeug
Besonders deutlich wird der professionelle Anspruch beim integrierten Timecode.
Damit kann die Luna Pro in Mehrkamera-Produktionen synchronisiert werden. Insta360 nennt ausdrücklich Workflows mit Final Cut Pro und Adobe Premiere Pro.
Ein integrierter Timecode ist für eine Kamera dieser Größenklasse bemerkenswert. Er zeigt, dass Insta360 die Luna Pro nicht ausschließlich als Stand-alone-Vloggingkamera versteht. Sie kann ebenso als kleine zusätzliche Kamera innerhalb einer größeren Produktion eingesetzt werden.
Auf der anderen Seite stehen die KI-Bearbeitungsfunktionen der Insta360 App. Sie sollen aufgenommenes Material weitgehend automatisiert zu fertigen Clips zusammensetzen können – für Situationen also, in denen Geschwindigkeit wichtiger ist als eine detaillierte Postproduktion.
Zwischen Vlogging und professioneller Produktion
Gerade diese Doppelstrategie macht die Luna Pro interessant.
Native Hochkantaufnahme, Tracking, automatisierte Bearbeitung und schnelle Bedienung richten sich klar an Creator. 1-Zoll-Sensor, 10-Bit Log, ACES und Timecode sprechen dagegen eine Sprache, die bislang eher aus professionellen Videoworkflows bekannt ist.
Insta360 versucht damit, die Grenze zwischen einer unkomplizierten Creator-Kamera und einem ernstzunehmenden Produktionswerkzeug weiter aufzulösen.
Wie groß der qualitative Abstand zu klassischen System- oder Cinema-Kameras tatsächlich ist, muss ein Praxistest zeigen. Der technische Ansatz ist jedenfalls bemerkenswert: Statt eine kleine Gimbal-Kamera lediglich mit immer mehr automatischen Funktionen auszustatten, ergänzt Insta360 sie um Schnittstellen und Aufzeichnungsoptionen, die auch im professionellen Umfeld sinnvoll sind.
Die Insta360 Luna Pro ist ab 10. September in Cosmic Black und Stellar White erhältlich. Das Standardpaket startet international bei 669,99 US-Dollar; einen Europreis nennt die vorliegende Presseinformation nicht.
Global Awards mit Leica
Parallel zum Produktstart laufen die Insta360 Global Awards 2026, die von Leica unterstützt werden. Eingereicht werden können Foto- und Videoarbeiten, die mit Insta360- oder Antigravity-Geräten aufgenommen wurden. Die Einreichungsfrist endet am 31. Oktober, die Gewinner sollen am 30. November bekanntgegeben werden.
















