Mit dem Projekt „I’m Back Roll APS-C“ sorgt aktuell einmal mehr eine Kickstarter-Kampagne für Aufmerksamkeit für eine alte Idee: Ein digitaler Sensor im Format einer 35mm-Filmrolle soll klassische analoge Kameras in digitale Werkzeuge verwandeln – diesmal, ohne deren ursprüngliche Haptik zu verändern.

Kern des Konzepts ist ein APS-C-Sensor, der vollständig im Kameragehäuse verschwindet. Anders als frühere Ansätze verzichtet die neue Version auf externe Module oder Displays. Stattdessen bleibt die Kamera äußerlich unverändert, gesteuert wird das System über eine kleine Fernbedienung. Das Motto: „One Roll. No Screen. Pure Shooting.“ – ein bewusst reduzierter Ansatz, der sich an Fotografen richtet, die das analoge Aufnahmegefühl bewahren möchten.
Technische Eckdaten

Im Zentrum des Systems steht ein Sony IMX571, ein rückwärtig belichteter CMOS-Sensor (BSI) im APS-C-Format mit einer Größe von etwa 23,5 × 15,7 mm. Er bietet eine Auflösung von rund 26 Megapixeln (6248 × 4176 Pixel) bei einer Pixelgröße von 3,76 Mikrometern und nutzt ein klassisches Bayer-Farbfiltermuster. Der Sensor ist für einen hohen Dynamikumfang mit differenzierter Tonwertwiedergabe ausgelegt und zeichnet sich durch ein besonders geringes Rauschverhalten aus, was vor allem bei schwierigen Lichtbedingungen Vorteile bietet. Die BSI-Architektur sorgt zudem für eine hohe Lichtempfindlichkeit, während eine Farbtiefe von bis zu 16 Bit – abhängig von der Integration – eine präzise Bildverarbeitung ermöglicht. Ergänzt wird dies durch die Möglichkeit, RAW- und JPEG-Dateien sowie Videoaufnahmen bis hin zu 4K zu erzeugen. Die Steuerung erfolgt über eine externe Fernbedienung, da kein integriertes Display zur Verfügung steht. Speicherung und Energieversorgung erfolgt intern.
Analoges Gefühl, digitaler Workflow
Der Ansatz versteht sich als Brücke zwischen zwei Welten. Fotografieren soll sich wieder wie zu analogen Zeiten anfühlen, gleichzeitig entstehen digitale Dateien. Alte Kameras, oft ungenutzt im Schrank, sollen so eine neue Relevanz im digitalen Alltag erhalten.

Ein Projekt mit Geschichte
Hinter „I’m Back“ steht ein unkonventionelles Entwicklerteam. 2018 gründeten Samuel Mello Medeiros und Filippo Nishino das Unternehmen „I’m Back GmbH“ im schweizerischen Lugano. Bereits im selben Jahr sorgte das Projekt auf der Photokina für internationale Aufmerksamkeit und wurde von Cinema5D ausgezeichnet – neben etablierten Marken wie Panasonic und Fujifilm. Zudem erreichte das Startup den zweiten Platz unter den besten Jungunternehmen der Schweiz.
Von Beginn an setzte das Team bewusst auf einen experimentellen Ansatz. Statt etablierte Wege zu verfolgen, wurde mit neuen Ideen und ungewöhnlichen Lösungen gearbeitet – ein Kurs, der sowohl Skepsis als auch Unterstützung innerhalb der Fotobranche hervorrief.
Entwicklung im offenen Prozess
Die Weiterentwicklung des Systems erfolgte über mehrere Kickstarter-Kampagnen. Jede Version brachte neue Erkenntnisse, Verbesserungen und auch Rückschläge mit sich. Das Projekt versteht sich daher weniger als abgeschlossenes Produkt, sondern als fortlaufender Entwicklungsprozess.
Die Entwickler beschreiben „I’m Back“ selbst als eine Art Labor, in dem Kreativität, Technik und die Leidenschaft für Fotografie zusammenkommen. Ziel ist es nicht, einen endgültigen Zustand zu erreichen, sondern die Idee kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu verfeinern.
Zwischen Faszination und Skepsis
Technisch markiert die APS-C-Version einen wichtigen Schritt nach vorn. Frühere Varianten arbeiteten mit kleineren Sensoren und externen Komponenten. Mit der neuen Generation soll die Integration deutlich konsequenter umgesetzt werden.

Dennoch bleiben Fragen offen – etwa zur Bildqualität, zur Kompatibilität mit unterschiedlichen Kameramodellen oder zur praktischen Handhabung im Alltag. Wie bei vielen hybriden Konzepten entscheidet letztlich die Umsetzung im Detail über den Erfolg.
Fazit
„I’m Back Roll APS-C“ bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Nostalgie und Innovation. Die Idee, analoge Kameras digital weiterzunutzen, trifft den Zeitgeist einer Fotografie, die sich zunehmend zwischen Entschleunigung und technologischer Präzision bewegt.
Ob sich das Konzept langfristig durchsetzt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Projekte wie dieses zeigen, dass die Fotografie auch jenseits etablierter Systeme weitergedacht wird – experimentell, offen und mit einem klaren Blick auf ihre eigene Geschichte.







