Mit der Ausstellung „Zwei Augenpaare. Fotografien von Donata und Wim Wenders“ widmet sich das Ernst Leitz Museum ab dem 11. Juni 2026 einem der bekanntesten Künstlerpaare Deutschlands. Bis zum 20. September bringt die Ausstellung die fotografischen Arbeiten von Donata und Wim Wenders erstmals in Wetzlar in einen direkten kuratorischen Dialog.
Die Gegenüberstellung offenbart dabei zwei sehr unterschiedliche fotografische Handschriften, die sich zugleich auf subtile Weise ergänzen. Während Wim Wenders seit Jahrzehnten mit seinen menschenleeren, atmosphärisch aufgeladenen Landschaften und Architekturen eine unverwechselbare visuelle Sprache entwickelt hat, konzentriert sich Donata Wenders stärker auf Menschen, Gesten, Bewegungen und fragile Zwischenzustände.
- Wim Wenders, Streetcorner in Butte, USA, 2003
- Wim Wenders, Woman in the Window, LA, 1999_
- WimWenders in Sydney, Australia, 1980s
Die Ausstellung zeigt zahlreiche bekannte, vielfach publizierte Motive ebenso wie neuere Arbeiten aus den vergangenen Jahren. Ergänzt wird die Präsentation durch ein eigens produziertes Interview, das zusätzliche Einblicke in die Denk- und Arbeitsweisen des Künstlerpaars eröffnet.
Wim Wenders zählt zu den international bedeutendsten deutschen Regisseuren der Gegenwart. Filme wie Paris, Texas, Der Himmel über Berlin, Buena Vista Social Club oder Perfect Days haben Filmgeschichte geschrieben und sind zugleich eng mit spezifischen Orten und Landschaften verbunden. Genau diese Sensibilität für Räume, Stimmungen und visuelle Erzählungen prägt auch seine fotografische Arbeit.
- Donata Wenders, Selfportrait I, Warsaw, 1997
- Donata Wenders, Bridge, Hangzhou, 2024_
- Donata Wenders, News, 2006
Viele seiner Fotografien entstehen auf Reisen oder an Drehorten. Die Bilder zeigen Straßen, Tankstellen, Fassaden, Landschaften oder Innenräume in präziser Komposition und intensiver Farbigkeit. Obwohl Menschen meist fehlen, erzählen die Fotografien dennoch vom menschlichen Leben und seinen Spuren. Ausgangspunkt seines eigenständigen fotografischen Werks war die Serie „Written in the West“, die während der Vorbereitungen zu „Paris, Texas“ entstand.
Ganz anders arbeitet Donata Wenders. Ihre Fotografien sind überwiegend schwarzweiß und von einer stark reduzierten Bildsprache geprägt. Licht, Schatten, Unschärfe und Bewegung spielen darin eine zentrale Rolle. Oft wirken ihre Porträts und Figuren entrückt, beinahe geisterhaft. Prominente Persönlichkeiten wie Pina Bausch oder Paul Auster erscheinen dabei ebenso wie anonyme Figuren, deren Konturen sich in Bewegung und Licht auflösen.
Hinzu kommen experimentelle fotografische Installationen mit Überblendungen, Doppel- und Langzeitbelichtungen, die ihre Arbeiten bewusst vom rein dokumentarischen Bild lösen und in Richtung poetischer Verdichtung verschieben.
Gerade diese Gegenüberstellung macht den Reiz der Ausstellung aus. Beide Positionen verbindet ein zutiefst humanistischer und zugleich filmisch geprägter Blick auf die Welt. Im Zusammenspiel entstehen neue Perspektiven auf Wahrnehmung, Erinnerung und fotografisches Erzählen — zwischen Klarheit und Auflösung, Distanz und Intimität, Realität und Imagination.
Donata Wenders wurde 1965 in Berlin geboren und studierte Film und Theater in Berlin und Stuttgart. Nach Jahren als Kameraassistentin und Kamerafrau widmet sie sich seit Mitte der 1990er Jahre schwerpunktmäßig der Fotografie. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und in zahlreichen Bildbänden veröffentlicht.
Wim Wenders wurde 1945 in Düsseldorf geboren und zählt zu den wichtigsten Vertretern des Neuen Deutschen Films. Neben seinem filmischen Werk begleitet ihn die Fotografie seit seiner Kindheit und entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem eigenständigen künstlerischen Ausdruck.
Die Ausstellung in Wetzlar zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich fotografisches Sehen sein kann — und wie stark sich zwei eigenständige Positionen dennoch gegenseitig ergänzen und bereichern.
Foto oben: WimWenders, Selfportrait, 1975

















