Das Fotomuseum aan het Vrijthof in Maastricht widmet der amerikanischen Fotojournalistin Eve Arnold eine umfangreiche Retrospektive. Unter dem Titel „All about Eve“ zeigt das Museum vom 19. September 2026 bis 31. Januar 2027 rund 130 Schwarz-Weiß- und Farbfotografien aus dem Werk der 2012 verstorbenen Magnum-Fotografin. Im Mittelpunkt stehen vor allem Arbeiten aus den 1950er, 1960er und 1970er Jahren.
Eve Arnold, 1912 in Philadelphia geboren, gehört zu den bedeutenden Vertreterinnen des Fotojournalismus des 20. Jahrhunderts. 1951 wurde sie als erste Frau Mitglied der renommierten Agentur Magnum Photos. Nach Jahren in New York zog sie 1962 nach London. Internationale Bekanntheit erlangte sie sowohl mit sozialdokumentarischen Reportagen als auch mit ihren ungewöhnlich persönlichen Porträts prominenter Persönlichkeiten.
- Eve Arnold – Marlene Dietrich singing at the recording studios of Columbia Records. NYC, 1952
Zwischen Hollywood und Harlem
Zu den bekanntesten Bildern Arnolds gehören ihre Fotografien von Marilyn Monroe, die weit über klassische Starporträts hinausgehen. Auch Marlene Dietrich und Joan Crawford gehörten zu den Persönlichkeiten, die sie fotografierte. Die Ausstellung in Maastricht beschränkt sich jedoch bewusst nicht auf Arnolds Arbeiten aus der Welt des Films.
Gezeigt werden ebenso Fotografien aus Serien wie „A Baby’s Momentous First Five Minutes“, „New York by Night“, „Fashion Shows in Harlem“ und ihren Arbeiten über Malcolm X. Damit wird sichtbar, wie breit Arnolds fotografisches Interesse angelegt war: gesellschaftliche Außenseiter, politische Bewegungen und Alltagssituationen standen für sie ebenso im Mittelpunkt wie prominente Persönlichkeiten.
Hinzu kommen Reisefotografien aus Afghanistan, China, Ägypten, Haiti, Indien und Südafrika. Über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg fotografierte Arnold gesellschaftliche Veränderungen, historische Ereignisse und persönliche Lebenswelten.
Fotografieren, um zu verstehen
Charakteristisch für ihre Arbeit war ein empathischer, humanistischer Blick. Arnold verstand die Kamera weniger als Instrument zur Beurteilung als vielmehr als Möglichkeit, Menschen und Situationen zu verstehen. Ihre dokumentarische Fotografie beruhte auf Nähe, Neugier, Offenheit und persönlichem Interesse an den Menschen vor der Kamera.
- Foto: Eve Arnold, MALCOLM X at a Nation of Islam rally, Washington D.C. 1961.
Gerade darin unterscheidet sich ihre Bildsprache von einer distanzierten Beobachterposition. Ob bei prominenten Schauspielerinnen, politischen Aktivisten oder Menschen in alltäglichen Lebenssituationen: Arnold suchte nach Momenten, in denen sich öffentliche Rolle und persönliche Realität überschneiden.
Ein Werk in internationalen Sammlungen
Eve Arnolds Fotografien wurden in insgesamt 15 Fotobüchern veröffentlicht und befinden sich heute in bedeutenden internationalen Sammlungen. Dazu gehören die National Portrait Gallery und das Victoria and Albert Museum in London, das Metropolitan Museum of Art in New York sowie das Centre Pompidou in Paris.
1995 wurde Arnold sowohl von der britischen Royal Photographic Society als auch vom International Center of Photography in New York ausgezeichnet.
Die Ausstellung „All about Eve“ entstand in Zusammenarbeit mit Magnum Photos und CAMERA – Centro Italiano per la Fotografia in Turin. Als Gastkuratorin zeichnet Nina Mika-Helfmeier verantwortlich, die mit dem Fotografie-Forum in Monschau verbunden ist.
Foto oben:Eve Arnold bei den Dreharbeiten zu Becket. England, 1963 – Foto: Robert Penn
Eve Arnold | All about Eve
19. September 2026 bis 31. Januar 2027
Fotomuseum aan het Vrijthof, Maastricht

















