Mit dem „Photo Book Summer“ erhält Berlin ein neues Festival für das Fotobuch als künstlerisches Medium. Vom 17. Juli bis 22. September 2026 bespielt die erste Ausgabe das Haus Potsdamer Straße der Staatsbibliothek zu Berlin. Organisiert wird das Festival vom musuku – Museum der Subkulturen. Unter dem Motto „Offene Türen“ verbindet es Ausstellungen, mobile Formate, Workshops, Veranstaltungen und die abschließenden „Photo Book Days“ zu einem vielstimmigen Programm rund um Fotografie, Buchkultur und urbane Erinnerung.
Im Mittelpunkt steht das Fotobuch nicht nur als gedrucktes Objekt, sondern als Raum fotografischer Erzählung. Der „Photo Book Summer“ versteht das Medium als Schnittstelle zwischen Ausstellung, Archiv, Stadtgeschichte, Subkultur und Öffentlichkeit. Berlin wird dabei selbst zum Thema: als Stadt der Begegnungen, der Brüche, der offenen Räume und der Geschichten, die sich in Fotografien, Büchern und temporären Präsentationen verdichten.
Berlin Wonderland
Ein zentrales Projekt ist die Ausstellung „Berlin Wonderland – Hidden Treasures“. Sie verwandelt den Dietrich-Bonhoeffer-Saal im Foyer der Staatsbibliothek in eine Art fotografische Wunderkammer. Erzählt wird von den Jahren nach dem Mauerfall, als Berlin-Mitte zu einem Magneten für Künstler, Visionäre, Hausbesetzer und Kulturschaffende aus aller Welt wurde. Zwischen bröckelnden Altbaufassaden, leerstehenden Räumen, improvisierten Clubs, Bars, Galerien, Techno-Partys und Performances entstand ein Möglichkeitsraum, der die kulturelle Identität der Stadt bis heute prägt.
Die Ausstellung zeigt Motive aus dem wiederaufgelegten Fotobuch „Berlin Wonderland – Wild Years Revisited 1990–1996“ und ergänzt sie um bisher ungesehenes Material sowie neu entdeckte Portfolios. Vertreten sind unter anderem Arbeiten von Ben de Biel, Joe Dilworth, Philipp von Recklinghausen, Andreas Rost, Stefan Schilling und Rolf Zöllner. Hinzu kommt das Werk einer bislang nur mit dem Vornamen Anna bekannten Fotografin, deren Bilder die Vielschichtigkeit des Projekts um eine weitere, rätselhafte Perspektive ergänzen.
Über den Ausstellungsraum hinaus erweitert die „Berlin Wonderland Road Show“ das Festival in den Stadtraum. Auf fünf umgebauten Lastenrädern werden großformatige Fotografien aus dem gleichnamigen Bildband präsentiert. Ausgeklappt entfalten sich die mobilen Einheiten wie temporäre Ausstellungen auf Rädern. So entsteht ein analoger Vorher-Nachher-Effekt zwischen dem Berlin der 90er Jahre und der Gegenwart. Die Stadt wird nicht nur Kulisse, sondern Resonanzraum fotografischer Erinnerung.
Print Swap
Mit der Fotobuch-Ausstellung „Fragmente der Stadt“ rückt das Festival eine weitere Ebene urbaner Bildgeschichte in den Fokus. Im Foyer der Staatsbibliothek versammelt die Schau Bücher, die unterschiedliche fotografische Blicke auf Berlin eröffnen. Jedes Buch wird dabei zum Fenster in eine andere Stadt. Zu sehen sind Publikationen unter anderem von Maria Sewcz, Arwed Messmer, Christian Reister, Miron Zownir, Andreas Rost und Wiebke Loeper.
Bereits der Eröffnungsabend am 17. Juli 2026 setzt auf Beteiligung. Der Filmriss Photoclub organisiert einen offenen Print Swap mit begleitender Pop-up-Galerie zum Thema „Berlin Wonderland“. Besucher sind eingeladen, zwei bis drei eigene fotografische Arbeiten mitzubringen und diese selbst an einer wachsenden Ausstellungswand zu platzieren. Im Verlauf des Abends entsteht so eine kollektive, sich ständig verändernde Ausstellung, die das Festivalmotiv der offenen Türen unmittelbar erfahrbar macht.
Thousandfold Photobook Fair
Höhepunkt des Programms sind die „Photo Book Days“ vom 11. bis 13. September 2026. Das Wochenende umfasst die „Thousandfold Photobook Fair“, Konzerte, Ausstellungen, Vorträge und Präsentationen internationaler Gäste. Am 11. September ist mit „Slide Music – Berlin Wonderland“ ein Live-Programm von Lillevan & Der Elektronaut angekündigt. Am 12. und 13. September folgen die Fotobuchmesse im Foyer des Otto-Braun-Saals sowie ein Vortrags- und Performanceprogramm. Zum Abschluss am 13. September wird die Road-Show-Ausstellung auch im Rahmen des „Tags im Grünen“ auf dem Kulturforum präsentiert.
musuku
Der „Photo Book Summer“ ist eine Initiative des musuku – Museum der Subkulturen und wird in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin durchgeführt. Das 2019 von Anke Fesel und Chris Keller gegründete musuku versteht sich als nomadischer Ausstellungs- und Erzählraum. Seine Projekte entstehen an wechselnden Orten, in Zusammenarbeit mit Künstlern, Institutionen und Partnern sowie im öffentlichen Raum.
Mit dem neuen Festival bekommt Berlin ein Format, das die besondere Rolle des Fotobuchs zwischen künstlerischer Autorschaft, dokumentarischer Erinnerung und urbaner Öffentlichkeit sichtbar macht. Gerade in einer Stadt, deren jüngere Geschichte wesentlich über Bilder, Bücher, Subkulturen und temporäre Räume erzählt wird, wirkt der „Photo Book Summer“ wie eine konsequente Erweiterung des fotografischen Diskurses: nicht als reine Buchmesse, nicht als klassische Ausstellung, sondern als offenes Festivalformat für Fotografie in gedruckter, räumlicher und öffentlicher Form.
Foto oben: Hilmar Schmundt
*„Photo Book Summer“, 17. Juli bis 22. September 2026, Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin, Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 8 bis 21 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr, Eintritt frei












