Die Sony World Photography Awards haben die Finalisten sowie die Shortlists der Professional Competition 2026 bekannt gegeben.
Mit über 430.000 eingereichten Bildern aus mehr als 200 Ländern und Regionen unterstreicht der Wettbewerb erneut seine internationale Strahlkraft. Seit fast zwei Jahrzehnten würdigt die Professional Competition fotografische Spitzenleistungen und zeichnet Serien aus, die handwerkliche Präzision mit einer starken narrativen Handschrift verbinden.
- Ben Brooks, United Kingdom, Finalist, Professional Competition, Creative, Sony World Photography Awards 2026
- Anita Pouchard Serra for The New York Times
- Andreas Secci, Germany, Finalist, Professional Competition, Landscape
Insgesamt 30 Finalisten wurden in den zehn Kategorien Architektur und Design, Kreativ, Dokumentationsprojekte, Umwelt, Landschaft, Perspektiven, Portrait, Sport, Stillleben sowie Wildlife und Natur nominiert. Aus ihnen werden am 16. April im Rahmen einer Galaveranstaltung in London die jeweiligen Kategoriesieger gekürt. Am selben Abend wird auch der Titel „Photographer of the Year“ vergeben. Neben einem Preisgeld von 25.000 US-Dollar erhält die Gewinnerin oder der Gewinner Sony Digital Imaging-Equipment sowie die Möglichkeit, im kommenden Jahr eine Einzelausstellung in London zu realisieren.
Die diesjährige Ausstellung der Sony World Photography Awards ist vom 17. April bis 4. Mai 2026 im Somerset House in London zu sehen. Eine Auswahl der prämierten und nominierten Arbeiten wird anschließend international präsentiert.
Zwischen Dokumentation und Experiment
Die Bandbreite der eingereichten Arbeiten spiegelt die thematische und ästhetische Vielfalt zeitgenössischer Fotografie wider. In der Kategorie Architektur und Design reicht das Spektrum von André Tezzas nüchternen Studien brasilianischer Nachbarschaftsläden über Joy Sahas Dokumentation traditioneller Häuser in der überflutungsgefährdeten Haor-Region Bangladeschs bis zu Chen Liangs Auseinandersetzung mit den historisch hybriden Wachtürmen der chinesischen Provinz Guangdong.
- Stephan Zirwes
- Maria Fynsk Norup, Denmark,
- Kanyuan Li, China Mainland
Im Bereich Kreativ setzen sich die Finalistinnen und Finalisten mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander. Pablo Ramos verarbeitet in „The Black Album“ das Schicksal der Verschwundenen in Mexiko, indem er Silhouetten aus Archivbildern ausschneidet und so ein kollektives Porträt der Abwesenheit schafft. Ben Brooks dokumentiert die spirituellen und gemeinschaftlichen Verbindungen der Rap-Szene in South Los Angeles, während Citlali Fabian indigene Perspektiven Südmexikos in einer Verbindung aus Porträt und digitaler Illustration sichtbar macht.
Die dokumentarfotografischen Projekte greifen komplexe politische und soziale Realitäten auf. Santiago Mesa begleitet in Kolumbien Bauern im Spannungsfeld der Kokainwirtschaft, Alexandre Bagdassarian dokumentiert den Alltag in einem französischen Jugendgefängnis, und Colin Delfosses verfolgt in „Restitution“ die Wege afrikanischer Masken zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Belgien – eine visuelle Auseinandersetzung mit postkolonialer Verantwortung.
- Hossein Sadri Nobarzad, Iran
- Colin Delfosse, Belgium
Auch ökologische Fragestellungen nehmen breiten Raum ein. Shane Hynan reflektiert die kulturelle und ökologische Bedeutung irischer Moore, Matteo Trevisan dokumentiert den von Frauen getragenen Wiederaufbau in Rojava, und Isadora Romero untersucht Wälder als kulturell geprägte Lebensräume.
Im Bereich Portrait reicht das Spektrum von Federico Borellas Studie der Koryo-saram-Gemeinschaft in Usbekistan bis zu Jean-Marc Caimi und Valentina Piccinnis Dokumentation der Pilgerströme im Vatikan zwischen zwei Pontifikaten. Die deutsche Fotografin Marisa Reichert ist mit ihrer Serie „be:longing“ vertreten, die ältere muslimische Transgender-Personen in Yogyakarta porträtiert und Fragen von Identität, Glaube und gesellschaftlicher Zugehörigkeit thematisiert.
Sportliche Dynamik findet sich unter anderem in Todd Antonys Serie über das traditionelle Buzkashi in Tadschikistan, während Morgan Otagburuagu ein improvisiertes Boxstudio unter einer Brücke in Lagos dokumentiert. Im Bereich Wildlife und Natur arbeiten einige Finalisten mit technischen Innovationen: Wolfgang Duerr setzt bewegungsgesteuerte Kameras ein, um Wildtiere in Schwarzweiß festzuhalten, und Will Burrard-Lucas nutzt ferngesteuerte Kamerafallen im Maasai Mara National Reserve.
- Chen Liang. China
- Brian Mena Laureano, Mexico
- Capybaras eat grass in the public areas of the private town of Nordelta, close to a zone under construction on March 22, 2025 in Nordelta, Tigre, Province of Buenos Aires, Argentina. Anita Pouchard Serra for The New York Times
Fotografie als erzählerisches Medium
Monica Allende, Vorsitzende der Jury, betont die erzählerische Kraft der diesjährigen Auswahl. Viele Serien würdigten die menschliche Erfahrung, Liebe und Widerstandsfähigkeit in komplexen Realitäten. Besonders eindrucksvoll seien intime Momente und stille Heldentaten, die im Alltag verborgen liegen.
Neben der öffentlichen Anerkennung profitieren die Finalistinnen und Finalisten von dem Branchenformat „Insights“, bei dem sie in individuell zugeschnittenen Sessions mit führenden Persönlichkeiten aus Fotografie, Kuratierung und Publizistik zusammenkommen.
Mit der Bekanntgabe der Finalisten richtet sich der Blick nun auf die Preisverleihung am 16. April in London. Dann wird sich entscheiden, welche Serie als „Photographer of the Year“ 2026 in die Geschichte der Sony World Photography Awards eingehen wird.
Foto: Alexandre Bagdassarian, France, Finalist, Professional Competition, Documentary Projects, „Sixteen and a Half“ – Eight Months in a Juvenile Prison

























