Die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) zeichnet den New Yorker Galeristen Howard Greenberg und die belgische Sammlerin Astrid Ullens de Schooten Whettnall mit dem erstmals vergebenen Gruber Award aus. Die Preisverleihung findet im November während der Paris Photo Week statt.
Mit Howard Greenberg und Astrid Ullens de Schooten Whettnall würdigt die Deutsche Gesellschaft für Photographie zwei Persönlichkeiten, die den internationalen Fotokunstmarkt auf unterschiedliche Weise entscheidend geprägt haben. Greenberg steht für den Aufbau professioneller Galeriestrukturen und die Etablierung der Fotografie im internationalen Kunsthandel. Ullens verbindet privates Sammeln mit öffentlicher Vermittlung, kultureller Bildung und gesellschaftlichem Engagement.

Renate und Prof. Fritz Gruber, Köln, 1998 (Foto: Michael Dannenmann)
Der Gruber Award wurde anlässlich des 25-jährigen Bestehens der DGPh-Sektion Kunst, Markt und Recht entwickelt. Die auf eine Initiative des Sektionsvorsitzenden Thomas Gerwers zurückgehende Auszeichnung richtet in der 75-jährigen Geschichte der DGPh erstmals den Blick ausdrücklich auf die Menschen hinter dem Fotokunstmarkt.
Gewürdigt werden Galeristen, Sammler, Förderer und Vermittler, die fotografische Werke bewahren, künstlerische Karrieren ermöglichen und Verbindungen zwischen Produktion, Markt, Institutionen und Öffentlichkeit schaffen. Namensgeber sind Renate und L. Fritz Gruber, die gemeinsam eine der bedeutendsten fotografischen Sammlungen ihrer Zeit aufbauten. L. Fritz Gruber gehörte 1951 zu den Mitgründern der DGPh und prägte als Sammler, Vermittler und Mitinitiator der photokina die öffentliche Wahrnehmung der Fotografie in Deutschland.
Komplementäre Positionen
Die Wahl der ersten Preisträger legt zugleich das künftige Profil des jährlich vergebenen Preises fest. Nicht wirtschaftlicher Erfolg oder eine herausgehobene institutionelle Position allein sollen ausschlaggebend sein. Entscheidend sind kulturelle Verantwortung, internationale Relevanz und ein langfristiger Beitrag zur Entwicklung der Fotografie als Kunstform.

Die Jury des ersten DGPh Gruber Awards
Die Entscheidung traf eine internationale Jury unter dem Vorsitz der Fotografieexpertin und Kuratorin Simone Klein. Ihr gehörten außerdem Sven Eisenhut-Hug, Direktor der photo basel, die Sammlungsberaterin Birgit Filzmaier, der Kurator und Kunstmarktexperte Gérard Goodrow-Jaber, Jutta Müller von den Freunden der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen sowie die Ausstellungs- und Sammlungsexpertin Sinem Yoruk an.
Zu den Kriterien zählten die langfristige Wirkung auf den Fotokunstmarkt, fachliche Expertise, die Unterstützung von Fotografen, öffentliche Vermittlungsarbeit, institutionelle Beiträge sowie Dauer und Nachhaltigkeit des jeweiligen Engagements.
„Der Gruber Award gehört weltweit zu den wenigen Auszeichnungen, die ausdrücklich die Persönlichkeiten hinter dem Fotokunstmarkt würdigen“, erklärt die Juryvorsitzende Simone Klein. In der Verbindung von Sammlung, Galerie, Förderung und kultureller Vermittlung habe der Preis nach ihrer Kenntnis kein direktes Pendant.
Howard Greenberg: Pionier des Fotokunstmarkts
Der 1948 geborene Howard Greenberg zählt zu den international einflussreichsten Händlern und Kennern der Fotografie des 19. und 20. Jahrhunderts. Seit mehr als vier Jahrzehnten trägt er dazu bei, das Medium als festen Bestandteil des internationalen Kunstmarkts zu etablieren.
- Howard Greenberg (Foto: Bastiaan Woudt)
Greenberg begann seine Laufbahn als Fotojournalist. 1977 gründete er das Center for Photography at Woodstock, das sich zu einer der führenden gemeinnützigen Fotografieinstitutionen der USA entwickelte. Vier Jahre später eröffnete er die Howard Greenberg Gallery in New York. Sie gehört heute zu den wichtigsten Galerien für klassische und moderne Fotografie.
Das Galerieprogramm reicht von Alfred Stieglitz, Edward Weston und Walker Evans über Henri Cartier-Bresson und Bruce Davidson bis zu Joel Meyerowitz, Edward Burtynsky und Vivian Maier. Darüber hinaus betreut die Galerie unter anderem die Nachlässe von Edward Steichen, Arnold Newman, Roman Vishniac, Martin Munkácsi und Berenice Abbott.
- Howard Greenberg Gallery, NY
Greenbergs Wirken fällt in jene Pionierphase, in der sich in den USA erstmals dauerhafte Strukturen für den Handel mit fotografischer Kunst entwickelten. Zu diesen Strukturen gehörte auch die Association of International Photography Art Dealers, deren erste Fine Art Photography Exposition 1980 in New York stattfand.
Parallel zu seiner Tätigkeit als Galerist, Kurator und Berater baute Greenberg über mehr als drei Jahrzehnte eine eigene Sammlung auf. Sie umfasst europäische Moderne, humanistische Fotografie, amerikanische Dokumentarfotografie, Fotojournalismus und New Yorker Street Photography. Das Museum of Fine Arts in Boston erwarb die Sammlung 2018. Mit 447 Fotografien von 191 Künstlern erweiterte sie den Museumsbestand um Arbeiten von mehr als 80 dort zuvor nicht vertretenen Fotografen.
Astrid Ullens: Sammeln und Teilen
Astrid Ullens de Schooten Whettnall hat seit den 1990er Jahren eine der wichtigsten privaten Fotosammlungen Belgiens aufgebaut. Die rund 6.000 Fotografien von etwa 100 Fotografen konzentrieren sich auf sozialdokumentarische Arbeiten, Architektur und fotografische Lebenserzählungen.
- Astrid Ullens de Schooten Whettnall, 2023
Charakteristisch ist ihr Interesse an vollständigen Serien und Werkgruppen. Anstelle isolierter Einzelbilder sammelt Ullens fotografische Projekte in ihrem konzeptionellen Zusammenhang. Die Sammlung wird dabei nicht als abgeschlossener Privatbesitz verstanden, sondern als Ausgangspunkt für Ausstellungen, Publikationen, Bildungsarbeit und gesellschaftlichen Austausch.
2012 gründete Ullens in einem ehemaligen Brüsseler Industrieviertel die öffentlich zugängliche A Foundation. Die gemeinnützige Institution verbindet die Präsentation der Sammlung mit monografischen Ausstellungen, Künstlergesprächen, Publikationen und Vermittlungsprogrammen.
Eine besondere Rolle spielt die Arbeit mit Schulen und jungen Menschen. Die 2014 gegründete Initiative OpenA ermöglichte Kindern aus benachteiligten Brüsseler Stadtteilen über acht Jahre hinweg Ausstellungsbesuche, Begegnungen mit Fotografen und kreative Workshops. Damit verbindet Ullens das Sammeln konsequent mit der Idee kultureller Teilhabe.
International war die Sammlung unter anderem 2019 mit der Ausstellung „Fragments“ bei Paris Photo vertreten. 2024 zeigte die Fondation LUMA während der Rencontres d’Arles die von Urs Stahel kuratierte Ausstellung „Quand les images apprennent à parler“. Zuletzt präsentierte das Musée de la Photographie in Charleroi rund 500 Arbeiten unter dem Titel „Histoires en séries“.
Verleihung während der Paris Photo Week
Die feierliche Verleihung des ersten Gruber Award ist für den 13. November 2026 während der Paris Photo Week geplant. Erwartet werden neben den beiden Preisträgern die Mitglieder der Jury, Vertreter der DGPh und ausgewählte Persönlichkeiten aus Fotografie, Sammlung, Galerie, Markt und Kulturvermittlung. D
Der Gruber Award soll künftig jährlich von der DGPh-Sektion Kunst, Markt und Recht vergeben werden. Mit Greenberg und Ullens beginnt die neue Auszeichnung dabei auf internationalem Niveau: Der eine half, den professionellen Markt für Fotografie zu schaffen, die andere zeigt, wie privates Sammeln zu einer öffentlichen kulturellen Aufgabe werden kann.
Foto oben: Astrid Ullens de Schooten Whettnall


















